Heinz-Galinski-Schule Berlin, Deutschland

Heinz-Galinski-Schule Berlin, Deutschland

Architekt Zvi Hecker. Berlin /Tel Aviv

Kapazität 800 Schüler von 6-12 Jahren

Bebaute Fläche 4.898 m2

Klassenraumgröße  70 m3

Parkplätze 0

Baukosten 23.67 Millionen EUR

Fertigstellung 2000

Gruppenstruktur Vierzügige Schule

Private konfessioneile Grundschule mit einer markanten zersprengten Form.

Die Heinz-Galinski-Schule ist die erste jüdische Schule, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gebaut wurde. Sie entstand nicht allein aufgrund einer praktischen Notwendigkeit, sondern auch als Akt von hoher symbolischer Bedeutung für Berlin und das Wiederaufleben der jüdischen Gemeinde. In Charlottenburg, am nördlichen Rand des Grunewalds, entwarf Zvi Hecker eine expressive Architektur, die die Neubelebung der Kraft und der kreativen Energie der jüdischen Gemeinde in Berlin versinnbildlicht. Die explosive Dynamik im Grundriss gleicht einer räumlichen Kollision von Winkeln und wirbelnden Kanten, offener und geschlossener Flächen. Es scheint unmöglich, das Gebäude in einer einzigen Fotografie zu erfassen, da es allenfalls als eine Abfolge einzelner Momente lesbar ist, die zugleich Teii eines Ganzen sind. Hierzu schreibt der Architekt: „Die Sonnenblume ist eine Metapher und ein Symbol für organisches Wachstum. Das Sonnenlicht bestimmt ihre Form, ist ihre Lebensquelle. Bildung und Wissen sind das Licht, das den kindlichen Geist erleuchtet. Unsere eigene Natur hängt von der Qualität der Erziehung ab, die wir genossen haben.” Welches Symbol man auch herauslesen mag, das Gebäude ist Ausdruck von Optimismus und einer viel versprechenden Zukunft für die Schüler, im Gegensatz zu vielen anderen Schulen galt die rein funktionalistische Maxime einer Erziehung als soziale Disziplin hier nicht. Vielmehr wird nahe gelegt, Erziehung auch als Prozess der Selbstfindung zu betrachten und als Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe auf der Basis eines gemeinsamen Glaubens. In den labyrinthischen Gängen zwischen den Räumen mag sogar eine gewisse Anarchie anklingen. Der
Architekt beschreibt das Konzept als „ein großes Familienhaus” mit zahlreichen Orten, in denen sich die Schüler verstecken und einen eigenen Sinn für das Geheimnisvolle entwickeln können. Dies ist kein Haus für gelegentliche Besucher, hier wird die komplexe Architektur der Stadt mit ihren Gehwegen, Passagen und Sackgassen nachempfunden. Es muss großartig sein, hier zur Schule zu gehen. Das Raumprogramm sah eine Mischung aus 40 großen und kleinen Klassenräumen vor, doch die Lehrplangewichtung verlangte ebenfalls Werkstätten und Ateliers für kreative Unterrichtsfächer. Es gibt eine Mehrzweckhalle mit 500 Plätzen, die als Synagoge genutzt werden kann, eine Mensa und, in Einklang mit der jüdischen Tradition, zwei Küchen für Fleisch und Milch. Alle Räume passen sich der Gebäudeform an und behaupten sich gleichzeitig als
funktionale Einheiten. Die Klassenräume sind miteinander verbunden und verfügen über eine eigene Terrasse, so-dass die Schüler den Blick auf den Wald genießen können. Die gewundenen Korridore sind die einzigen Bereiche, die nicht gradlinig verlaufen müssen. Die Architektur der Schule ist einmalig, eine Ikone in einem besonderen Kontext, teils Gedenkstätte, teils futuristische Skulptur. Sie ist ein Mahnmal für Berlins verlorene Kinder, deren Zukunft sie jedoch vor dem Hintergrund der neuen jüdischen Gemeinde zelebriert. Die geschwungenen zersprengten Formen machen den Schulbesuch zu einem Vergnügen und Erziehung zu einem Spiel. Vielleicht sollten Schulplaner häufiger die Freiheit haben, Einrichtungen dieser Art zu entwerfen, damit nicht überall die gleichen „Lernmaschinen“ gebaut werden.

 

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